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Der Alte Botanische Garten ist ein Park, fünf Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt, in der Maxvorstadt im Zentrum Münchens. Die Lage und seine lange Geschichte machen ihn zu einer der wichtigsten Grünanlagen der Stadt und zu einem Beispiel dafür, wie politische Entscheidungen den öffentlichen Stadtraum nachhaltig prägen. Die stadträumlichen Veränderungen im Laufe der über 200jährigen Geschichte sind heute noch in seiner Struktur ablesbar. Die zukünftigen Entwicklungen des Gartens hängen daher stark mit den Veränderungen in seiner Umgebung zusammen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts angelegt, um exotische Pflanzen zu erforschen, erlangte er durch den Bau des Glaspalastes besondere Bedeutung. In den 30er Jahren durch die Nationalsozialisten strukturell verändert, verlieh ihm die zunehmende Motorisierung der Innenstadt und der damit verbundene Ausbau des Straßennetzes seine heutige Gestalt. Heute ist der Park Schauplatz gesellschaftlicher Gegensätze. In der Öffentlichkeit als Drogenumschlagplatz und Unterschlupf für Obdachlose bekannt, grenzt er gleichzeitig im Norden an die Lenbachgärten, eines der exklusivsten neuen Stadtquartiere, im Süden an das Bayerische Justizministerium und im Westen an das Luisengymnasium, eines der ältesten städtischen Gymnasien.Seit 2019 ein Alkoholverbot um den Hauptbahnhof erlassen wurde, drängen immer mehr Bedürftige in die Richtung des Alten Botanischen Gartens. Zusätzlich wurde die Präsenz der Polizei und des Kreisverwaltungsreferats im Park deutlich erhöht und zusätzlich durch Maßnahmen wie das Einzäunen der Grünflächen, um sie vor den Nutzern des Parkes zu schützen, immer deutlicher. Die Neugestaltung des Hauptbahnhofes und die damit verbundene Investitionswelle im Viertel wird diesen Verdrängungsprozess in den nächsten Jahren weiter verstärken.

↑ Das Feld der sozialen Infrastrukturen betrifft die Bereiche Soziales, Bildung und Betreuung, Gesundheit, Arbeit, Kultur und Wohnen. Auf der einen Seite gehören dazu grundlegende öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäuser, andererseits haben auch von karitativen Trägern organisierte Kultur-, Beratungs- und Weiterbildungsangebote sowie Aufenthalts- und Übernachtungseinrichtungen für viele Menschen eine große Bedeutung, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Zudem gibt es Versorgungsinfrastrukturen wie öffentliche Toiletten und Duschen, Telekommunikation oder Schließfächer, deren Zugang insbesondere die Lebensrealität obdachloser Menschen stark beeinflusst und oft mit hohem organisatorischem sowie logistischem Aufwand verbunden ist. Für viele Menschen, in deren alltäglichen Gewohnheiten diese Infrastrukturen keine Rolle spielen, bleiben ihre Existenz und Relevanz oft unsichtbar. Dass diese Infrastrukturen kostenlos bzw. kostengünstig zugänglich sind, wird durch Bereitstellung oder Ko-Finanzierung der öffentlichen Hand sichergestellt. Die sozialen Einrichtungen für bedürftige Menschen werden größtenteils durch gemeinnützige und kirchliche Träger betrieben. Sie sind zwar verstärkt im Münchner Bahnhofsviertel angesiedelt, gerade Übernachtungsmöglichkeiten befinden sich allerdings oftmals nicht in der Innenstadt. Die Infrastrukturen, die die existenziellen Bedürfnisse der Hygiene und Sicherheit betreffen, werden in Zentrumsnähe nur in geringem Umfang durch die Stadt München bereitgestellt.

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